Tierexpertinnen und -experten lehnen Positivliste ab

Tiger und Affen gehören nicht ins Wohnzimmer...

...darin sind sich viele Tierhalter, Tiermediziner, Tierorganisationen und Tierschützer einig.
Aber trifft das auch auf andere Tiere wie Hamster, Nymphensittiche oder Schlangen zu?

Worum geht es?

Wussten Sie, dass nicht nur gefährliche Tiere wie Krokodile oder Löwen gemeint sind, wenn Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir und einige NGO's sich auf europäischer und auch nationaler Ebene für die Einführung einer sogenannten Positivliste zur Regelung der Heimtierhaltung aussprechen?

Warum braucht jemand etwa anspruchsvoll zu haltende, exotische Tiere wie Schlangen oder ein Chamäleon zu Hause? Das habe ich nie verstanden.
— Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir


Alles verbieten und dann ein wenig erlauben!

Bei einem Systemwechsel zu einer Positivliste/Erlaubnisliste würden alle Heimtiere verboten. Es sei denn, es handelte sich um eine Tierart, für die die Haltung auf einer Positivliste ausnahmsweise zugelassen würde.

Aber nach welchen Kriterien?

Allgemeingültige, wissenschaftliche Kriterien für die Aufnahme von Tieren auf eine sogenannte Erlaubnisliste/Positivliste wären schwer zu erstellen, das zeigen Versuche aus anderen europäischen Ländern. Bei der Einführung einer Positivliste müssten deshalb alle Tierfreunde damit rechnen, dass bestimmte Heimtiere verboten würden und es nicht auf eine Positivliste schaffen.

Ob das Zusammenleben von Tieren und Menschen in normalen Privathaushalten gelingt, hängt nicht davon ab, ob Tiere exotisch sind, sondern davon, ob Tierhalter die Tiere ihrer Biologie und ihren Bedürfnissen entsprechend pflegen können.

Fakten zur Positivliste

Auf unserer Informationsseite finden Sie Fakten zur Positivliste, zur Heimtierhaltung, zu exotischen Tieren und Vorschläge, wie wir das Tierwohl im Heimtierbereich fördern können. Außerdem teilen mehrere Tierorganisationen ihre Position zum Thema "Positivliste".

Für mehr Tierschutz in der Heimtierhaltung

Wir als Tierhalterorganisationen, Tierexpertinnen und -experten, Tierärzteverbände, Tierschützer und Mitglieder der Heimtierbranche unterstützen das Ziel, für mehr Tierschutz in der Heimtierhaltung zu sorgen. Aufgrund von fachlichen Gründen sind wir jedoch der Auffassung, dass eine sogenannte Positiv- bzw. Erlaubnisliste nicht mehr Tierwohl für die Heimtierhaltung bringen würde.

Was ist eine Positivliste?

Im allgemeinen Sprachgebrauch des Heimtiersektors wird unter einer sogenannten Positivliste eine Liste mit solchen Tieren verstanden, deren Haltung, Zucht und Verkauf erlaubt ist. Alle Heimtiere sind demnach zunächst verboten. Eine Positivliste erlaubt im zweiten Schritt eine begrenzte Anzahl von Heimtierarten. Alle Tierfreunde müssen also damit rechnen, dass sie nach Einführung einer Positivliste bestimmte Heimtiere zukünftig nicht mehr halten dürften.

Sind exotische Heimtiere eine Belastung für Tierheime?

Viele Tierschützer sind besorgt, dass sogenannte exotische Heimtiere nicht tierschutzgerecht gehalten werden können. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hat sich im Januar 2023 aus diesem Grund ebenfalls für eine sogenannte Positivliste ausgesprochen und die Notwendigkeit dieses Instrumentariums begründet mit der aus seiner Sicht anspruchsvollen Haltung von exotischen Heimtieren. Er befürchtete, dass vor allem exotische Tiere die Tierheime vor große Probleme stellten.

Das trifft jedoch nicht zu. Nach wie vor werden in deutschen Tierheimen vor allem Hunde und Katzen abgegeben. Der Tierschutzbund und Tierheime bezeichnen vor allem Hunde als Problem, weil sie in der Pandemie gekauft, nicht richtig erzogen seien und nur schwer weitervermittelt werden könnten - siehe Interview mit Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Allen Tierhaltern kann es passieren, dass sie aufgrund von persönlichen Notlagen ihre Tiere abgeben müssen. Es muss daher Tierheime für alle Arten von Heimtieren geben.

Vor allem Hunde und Katzen in Tierheimen

Eines der europaweit größten Tierheime für exotische Heimtiere ist die Reptilienauffangstation in München. Sie nimmt regelmäßig Exoten auf, für die andere Tierheime keine geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung haben. Dr. Markus Baur, 1. Vorsitzender und Leiter der Reptilienauffangstation München und Fachtierarzt für Reptilien, ist Mitglied in einer Krisenmanagement-Tierheim-Gruppe, die sich über aktuelle Notlagen austauscht. Laut seiner Aussage sind die Abgabewünsche von Terrarientieren wie Schlangen oder Echsen in den vergangenen Jahren weder in seiner Auffangstation noch in anderen Tierheimen der Gruppe gestiegen.

Warum wäre eine Positivliste kein "einfaches" Regulierungsinstrument?

Für die Listung erlaubter Heimtiere müssten allgemeingültige, wissenschaftlich basierte Kriterien geschaffen werden.

Objektive Kriterien kaum möglich

Allgemeingültige, wissenschaftliche Kriterien für die Aufnahme von Tieren auf eine sogenannte Erlaubnisliste/Positivliste wären jedoch nur sehr schwer zu erstellen, das zeigen Versuche aus anderen europäischen Ländern.

Jede Tierart müsste evaluiert werden, bevor ihre Aufnahme auf eine Positivliste abgelehnt würde. Konkret müssten Bewertungen für mindestens über 2.000 Heimtierarten durchgeführt werden. Denn der Europäische Gerichtshof hat bezüglich einer belgischen Positivliste in der "Königlichen Verordnung über die Festlegung des Verzeichnisses der Tiere, die gehalten werden dürfen" vom 7. Dezember 2001 (Belgisch Staatsblad vom 14. Februar 2002, S. 5479)

entschieden, dass

  • Kriterien für die Aufstellung einer solchen Liste und ihre Änderung objektiv und nicht diskriminierend sein dürfen
  • ein Antrag auf Aufnahme einer Art in die Liste der Arten von Säugetieren, die gehalten werden dürfen, von den zuständigen Behörden nur auf der Grundlage einer eingehenden Bewertung des mit der Haltung von Exemplaren der fraglichen Art (…) verbundenen Risikos abgelehnt werden (darf), die anhand der zuverlässigsten verfügbaren wissenschaftlichen Daten und der neuesten Ergebnisse der internationalen Forschung getroffen wird.

Beispielsweise ist es nicht möglich, wissenschaftlich zu belegen, ob Tiere nachweislich "gut gehalten" werden. Legt man die Anzahl der Besuche mit kranken Tieren bei Tierärzten zugrunde, wären Hunde und Katzen ungeeignete Heimtiere. Legt man die Anzahl der abgegebenen Tiere im Tierheim zugrunde, dürften ebenfalls keine Hunde und Katzen mehr gehalten werden.

Keine erfolgreiche Evaluation in der Praxis

Zudem hat die Erfahrung mit einer Positivliste in Norwegen gezeigt, dass trotz des Verbots viele Terrarientiere illegal in das Land importiert und gehalten wurden. Die Positivliste wurde wieder abgeschafft. Teilweise landen aufgrund der schwierigen Definition geeigneter Kriterien völlig ungeeignete Heimtiere auf einer Positivliste: So stehen auf der Säugetier-Positivliste der Niederlande, die angeblich 2024 in Kraft treten soll, Wasserbüffel, Lamas, Iltis, Bilche und Wasserrehe! Dafür fehlen beliebte Heimtiere wie Chinchillas, Degus und viele Hamsterarten.

 

Woher weiß man, ob ein Tier als Heimtier geeignet ist?

Ob ein Mensch zum Heimtier oder ein Heimtier zum Mensch passt, hängt von den Bedürfnissen des Tieres und den Möglichkeiten des Menschen ab. Je nach Biologie der Tiere und im Einzelfall in Abhängigkeit von den Erfahrungen und dem Fachwissen der Halterin oder des Halters, von den finanziellen Möglichkeiten, der Wohnsituationen sowie des zeitlichen Aufwands, der Verfügbarkeit der erforderlichen Futtermittel und Haltungstechnik gelingt die tiergerechte Heimtierhaltung. Bei der Wahl des richtigen Tieres unterstützen Tierärzte, Zoofachhändler, Tierheime und Züchter.

Abhängig von Bedürfnissen des Tieres und den Möglichkeiten des Menschen

Verbote der Tierhaltung sind sinnvoll, wenn das Tier gefährlich ist, nicht tierschutzgerecht gehalten werden kann oder wenn es auf der Liste invasiver Arten von unionsweiter Bedeutung steht. Solche Verbote sind derzeit im Rahmen von Negativlisten-Systemen auf Länder-, Bundes- und EU-Ebene umgesetzt.

Warum wäre es un(ge)recht, die Haltung von Tieren zu verbieten?

Für eine gute Beziehung braucht es Anziehung. Das gilt auch für das Zusammenleben von Tier und Mensch. Viele Tierfreunde beobachten und pflegen aus vivaristischem Interesse lieber Tiere wie Schlangen oder Schildkröten als Hund und Katze. Andere beobachten gerne, wie ein Hamster sein Futter sammelt oder wie Guppies sich fortpflanzen. Es ist diskriminierend und unsozial, bestimmte Tierhalter abzuwerten.

Tier und Mensch müssen zusammenpassen

Heimtiere wirken sich erwiesenermaßen positiv auf die Gesundheit und Psyche des Menschen aus, wenn die Tiere ihren Bedürfnissen entsprechend versorgt werden. Das gilt für Meerschweinchen und Katzen ebenso wie für Zierfische, Reptilien oder Amphibien. Der Zugang zur Heimtierhaltung sollte daher für alle gleichermaßen möglich sein.

Wäre eine Positivliste rechtlich überhaupt zulässig?

Prof. Dr. Dr. Tade Matthias Spranger, Rechtswissenschaftliche Fakultät der Universität Bonn, kommt in seinem im Juni 2023 veröffentlichten 167 Seiten starken Rechtsgutachten zu einer klaren Einschätzung: Die Einführung einer nationalen Positivliste für Heimtiere, würde umfassend gegen verschiedene Vorgaben des Völker-, Europa- und Verfassungsrechts verstoßen. Würde die Bundesrepublik Deutschland eine nationale Heimtier-Positivliste einführen, so wäre die Einleitung eines Vertragsverletzungsverfahrens insbesondere durch die Europäische Kommission vorgezeichnet. Auch eine Positivliste auf der Ebene der Europäischen Union wäre nicht mit dem Europarecht vereinbar. "Eine Heimtier-Positivliste ist unabhängig davon europarechtswidrig, ob Urheber einer solchen Liste der deutsche Gesetzgeber oder aber die Europäische Union selbst ist", verdeutlicht der Rechtsprofessor.

GUTACHTEN ZUR HEIMTIER-POSITIVLISTE

Gibt es Regulierungen für den Kauf und die Haltung von Heimtieren?

Um den Handel oder die Haltung von Tierarten einzuschränken, sind international und national Rechtsnormen erlassen worden, die auf dem Prinzip der Negativliste basieren.

Beispiele für Negativlisten im Bereich Tierseuchen und invasiver Arten sind das Animal Health Law VO (EU) 2016/429 oder die Unionsliste invasiver Arten, VO (EU) 1143/2014.
Gemäß den Gefahrtierverordnungen in vielen Bundesländern dürfen Tiere, die aufgrund ihrer Größe, Kraft oder ihres Gifts für Menschen gefährlich sind, nur unter strengen Auflagen oder gar nicht gehalten werden. Zu den Vorschriften gehört meistens, dass die Halter nachweisen müssen, dass sie fachkundig und zuverlässig sind.

Negativliste international als Werkzeug anerkannt

Eine Negativliste ist auch die Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (CITES): VO (EG) 338/97. Tierfreunde müssen vor der Anschaffung von Terrarientieren oder vielen Vogelarten prüfen, ob das gewünschte Tier unter Artenschutz steht. Für Reptilien- und Vogelarten, die vom Aussterben bedroht und nur mit Ausnahmegenehmigung gehandelt werden dürfen, erhalten Tierhalter vom Fachhandel und von seriösen Züchtern einen Nachweis der legalen Herkunft, die so genannte CITES-Bescheinigung (EU-Vermarktungsgenehmigung). CITES ist die "Convention on International Trade in Endangered Species of wild Fauna and Flora", auch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA) genannt, das die Bundesrepublik und 20 andere Staaten 1973 unterzeichnet haben. Sie wurde von der EU durch Verordnungen in geltendes Recht umgesetzt. In der Datenbank www.wisia.de des Bundesamts für Naturschutz finden Tierhalter Informationen darüber, unter welchen Schutzstatus ein bestimmtes Tier fällt.

Die EU-Kommission sieht Schwierigkeiten bei der Umstellung der Gesetzgebung auf ein Positivlistensystem: Auf eine Anfrage an das Kabinett "Umwelt, Meere und Fischerei" der Europäischen Kommission antwortete Virginijus Sinkevičius am 14. Juni 2022, dassder Übergang zu einer Positivliste "eine systemische Änderung sowohl im EU-Recht als auch im internationalen Recht" wäre und "weitreichende Auswirkungen auf die Umsetzung und Durchsetzung der einschlägigen Verordnungen" hätte. Die Kommission habe nicht die Absicht, "in diesem Zusammenhang eine restriktive Liste von Wildtierarten vorzuschlagen, die als Heimtiere gehalten werden dürfen".

Sind domestizierte Tiere die besseren Heimtiere?

Ob Tiere für das Zusammenleben mit Menschen geeignet sind, hängt nicht davon ab, ob sie domestiziert sind, sondern von der Biologie, die die Bedingungen festlegt, unter welchen die Tiere zu halten sind.

So sind Esel (ursprünglich aus Nordafrika) zwar domestiziert und als Nutztiere bzw. Haustiere in menschlicher Obhut zu halten, aber als Heimtiere sind sie in der Regel ungeeignet. Ebensowenig empfehlen Organisationen wie der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe domestizierte Tiere wie Frettchen, Alpakas oder Minischweine (stammt vom Europäischen oder Asiatischen Wildschwein ab) als Heimtiere.

Nicht alle Reptilien sind für ein Leben im Privathaushalt geeignet. Aber Tierarten wie Schlangen und Chamäleons pauschal als Heimtier abzulehnen, wird der Realität und wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht gerecht. So sind zum Beispiel die beliebten ungiftigen Kornnattern (Pantherophis guttatus) oder Nachzuchten des Jemenchamäleos (Chamaeleo calyptratus) durchaus tiergerecht zu haltende Heimtiere.

Fachleute sind sich auch nicht immer einig, ab wann ein Tier als domestiziert gelten kann. Der Veränderungsprozess der Domestizierung beginnt bereits mit der Entnahme eines Tieres aus der Natur. Pfeilgiftfrösche, die im Terrarium gehalten werden, sind beispielsweise nicht mehr giftig, weil sie anderes Futter als in der Natur erhalten. Sie sind also sogar als Wildfänge schon zum Teil domestiziert.

Gibt es für domestizierte Tiere abweichende Forderungen an ihre Haltung? Im deutschen Tierschutzgesetz werden für die Tierhaltung moralisch relevante biologische Kriterien herangezogen, nämlich die Vermeidung von Schmerzen, Leiden oder Schäden. Diese Kriterien gelten für alle Tiere, egal ob sie als Futtertiere, Nutztiere, Heimtiere oder Wildtiere tituliert werden etc.

Wildtier-Status ist kein Kriterium

Wenn domestizierte und nichtdomestizierte Tiere unterschiedlich behandelt werden sollten, müsste man ihre Ungleichheit voraussetzen und diese begründen. Die Ethiker und Tierärzte Thomas Richter, Peter Kunzmann, Susanne Hartmann, Thomas Blaha sehen "keine generelle biologische Wildtiereigenschaft (…), die eine Haltung verböte." Das heiße aber nicht, dass jede real existierende Wildtierhaltung tierschutzkonform sei, genauso wenig wie jede Haustierhaltung. (vgl. "Wildtiere in Menschenhand Überlegungen zum moralisch-rechtlichen und biologischen Status von Wildtieren" von Thomas Richter, Peter Kunzmann, Susanne Hartmann, Thomas Blaha. In: Deutsches Tierärzteblatt 11/2012)

Auch die fehlende "Freiheit" sei aus Sicht der Autorinnen und Autoren kein generelles Hindernis für die Haltung von Wildtieren. Als Beispiel für Unterschiede zwischen Tierarten nennen sie vielmehr das Bewegungsbedürfnis: Pferde, Braunbären und Eisbären hätten ein großes autonomes Bewegungsbedürfnis, Rinder und Habichte dagegen hätten es nicht. Mit ihrem Status als Wildtier habe das jedoch nichts zu tun.

Auch die Fachgruppe Zier‐, Zoo‐ und Wildvögel, Reptilien und Amphibien der deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) hat am 8. März 2014 in einer Resolution erklärt, dass es "keinen ethisch begründbaren und keinen biologisch vorgegebenen Unterschied bezüglich des Tierschutzes zwischen domestizierten Tieren und sogenannten Wildtieren gibt".

Warum bringt eine Positivliste nicht mehr Tierschutz?

Die Positivliste könnte sich negativ auf den Tier- und Gesundheitsschutz und das biologische Fachwissen auswirken. Sie verhindert nicht den illegalen Handel mit Tieren, behindert jedoch den Artenschutz. Eine Erlaubnisliste würde die Vielfalt in der Heimtierhaltung behindern und kann dazu führen, dass Menschen für sie ungeeignete Heimtiere anschaffen.

Weniger Vielfalt, mehr ungeeignete Heimtiere

Auch in der vom Bundeslandwirtschaftsministerium beauftragten Exopet-Studie ist die Erlaubnisliste als ungeeignetes Instrument zur Verbesserung des Tierwohls identifiziert. Tierschutzprobleme gibt es sowohl bei Exoten als auch bei klassischen Heimtieren (siehe Stellungnahmen der Tierorganisationen). Mit einem Negativlistensystem lassen sich Problemfälle leichter lösen, da Verbote oder Einschränkungen nur für zur Debatte stehende Tierarten ausgesprochen werden müssen. Für eine Positivlisten-Bewertung müssten mindestens 2.000 Heimtierarten wissenschaftlich bewertet werden. Auch die EU verwendet zur Verwirklichung von Tierschutz- und Artenschutzzielen Negativlistensysteme zur Einordnung nach Evidenz und Prüfung.

Welche Erfahrungen haben andere Länder mit Positivlisten gemacht?

Auch wenn immer wieder pauschal über "Positivlisten" gesprochen wird, so sind die Regelungen dazu höchst unterschiedlich und nicht pauschal vergleichbar. Von Befürwortern einer Positivliste wird oftmals der falsche Eindruck zu erwecken versucht, als gäbe es bereits vergleichbare Positivlisten in anderen Europäischen Ländern. Dies ist jedoch nicht der Fall. Ebenso trifft es nicht zu, dass der Europäische Gerichtshof die Einführung einer nationalen Heimtier-Positivlisten "abgesegnet" habe. Siehe dazu die Ausführungen im Rechtsgutachten von Prof. Dr. Dr. Tade M. Spranger ab Seite 50 ff.

Unabhängig davon haben Erfahrungen mit sogenannten "Positivlisten" in anderen europäischen Ländern gezeigt, dass trotz des Verbots viele Tiere illegal in das Land importiert und gehalten wurden.
Zudem landen aufgrund der schwierigen Definition geeigneter Kriterien auch völlig ungeeignete Heimtiere auf einer Positivliste und gut zu haltende Heimtiere fehlen.

Mit Positivliste hohe Dunkelziffer illegaler Tiere

In Norwegen wurde ein Reptilienverbot mit Ausnahme-Positivliste für Reptilien eingeführt, das am 15. August 2017 wieder aufgehoben wurde. Nach dem Reptilienverbot lag die Zahl der legal gehaltenen Tiere bei etwa 1.000 Tieren (LMD 2002-2003). Aufgrund von Umfragen wurde jedoch vermutet, dass es eine große Zahl von illegal importierten und gehaltenen Terrarientieren in Norwegen gab.

Da die Zahl illegal gehaltener Tiere schwer zu ermitteln war, gab die norwegische Direktion für Naturmanagement (DN) bei dem norwegischen Institut für Naturwissenschaften eine Risikobewertung und eine Umfrage unter Informanten in Auftrag. Nach den Schätzungen der Informanten, die sich sowohl auf die Artenliste der DN als auch auf andere Arten bezogen, gab es damals etwa 80 000 Reptilien und Amphibien, wobei die oberste Schätzung bei 150 000 Individuen und die niedrigste Schätzung bei 65 000 lag.

In der Studie der DN wurden zudem Angaben des Zoofachhandels und der Norwegischen Herpetologischen Gesellschaft zitiert: Danach wurden auf der Grundlage des Verkaufs von Ausrüstung und Futter für die Haltung von Reptilien und Amphibien die Zahl der Individuen in Norwegen auf 100.000 geschätzt (NHF 2008; NZB 2009).

Aufgrund der Studie der DN zu illegal gehaltenen Tieren und einer Bewertung der möglichen Auswirkungen einer Legalisierung auf die biologische Vielfalt in Norwegen, kam die norwegische Regierung zu dem Schluss, das Reptilienverbot wieder aufzuheben.

Unglaubwürdig: Jedes Land erlaubt unterschiedliche Tiere

Teilweise landen aufgrund der schwierigen Definition geeigneter Kriterien ungeeignete Tiere als Heimtiere auf einer Positivliste: So stehen auf der Säugetier-Positivliste der Niederlande, die 2024 in Kraft treten soll, Wasserbüffel, Lamas, Iltis, Bilche und Wasserrehe! Dafür fehlen beliebte Heimtiere wie Chinchillas, Degus und viele Hamsterarten.

Interessant ist auch, dass in Belgien die Regionen Flandern und Wallonien hinsichtlich der Haltung von Reptilienarten jeweils zu unterschiedlichen Ergebnissen gefunden haben.

Wie viele exotische Haustiere gibt es in Deutschland?

Der Duden bezeichnet Menschen, Tiere und Pflanzen aus fernen Ländern als Exoten. Gemäß dieser Definition sind die meisten Heimtiere in Deutschland exotisch. Zu den Exoten zählen demnach die aus Südamerika stammenden Meerschweinchen, die von der Iberischen Halbinsel, aus Südfrankreich und Nordafrika stammenden Kaninchen, die von den Kanaren stammenden Kanarienvögel oder die in Australien heimischen Wellensittiche.

Neben Hund und Katze leben in deutschen Haushalten 4,9 Millionen Kleinsäuger, 3,7 Millionen Ziervögel, ungefähr 1.300 verschiedene Fischarten in 2,3 Millionen Aquarien und 1,4 Millionen Gartenteichen. Außerdem gibt es zahlreiche Reptilien, Amphibien, Insekten, Spinnen und Schlangen in 1,3 Millionen Terrarien.

Insgesamt gibt es in fast jedem zweiten Haushalt Heimtiere. Viele Heimtiere werden nicht als fremdartig wahrgenommen. Unabhängig davon, ob die Tiere objektiv tierschutzgerecht gehalten werden können oder nicht, stehen im Visier einiger Befürworter einer Positivliste vor allem Terrarientiere wie Schlangen, Pfeilgiftfrösche, Chamäleons etc. (Quelle: Der deutsche Heimtiermarkt, ZZF/IVH 2023)

Wie schwer ist die Haltung exotischer Tiere wirklich?

Wir stimmen zu, dass nur wenige Privatpersonen Tiere wie Tiger oder Affen tiergerecht halten können. Aber trifft das auch auf andere exotische Heimtiere wie Hamster, Nymphensittiche oder Schlangen zu? Ob das Zusammenleben von Tieren und Menschen in normalen Privathaushalten gelingt, hängt davon ab, ob die Tiere ihrer Biologie und ihren Bedürfnissen entsprechend gepflegt werden können.

Volker Ennenbach züchtet seit über 40 Jahren Terrarientiere und kennt sich besonders gut mit Fröschen aus. Mehrere zehntausend Tiere züchtet er im Jahr, bevor er sie weitervermittelt.

Ennenbach weist darauf hin, dass die Terrarientechnik in den letzten 30 Jahren "geradezu Quantensprünge" gemacht hat, so dass viele Arten, die früher als problematisch galten, heute selbst vom Einsteiger problemlos mit der im Zoofachhandel angebotenen Technik tiergerecht gehalten werden können. Über 95 Prozent der angebotenen Tiere seien heute Nachzuchten, die bereits aus der Terrarienhaltung stammen, so dass eine Eingewöhnungsphase, wie bei Naturentnahmen, entfällt. Unter den Terrarientieren gebe es sehr viele Arten, deren Bedürfnisse Privatpersonen gut erfüllen können. "Selbst Tiere mit komplexen klimatischen Ansprüchen sind heute mit der entsprechenden Technik und gründlicher Beratung für die Haltung im Privathaushalt geeignet", sagt der Reptilienexperte.

Tiergerechte Haltung von Reptilien gut möglich

Für den Einsteiger in die Schlangenhaltung eignen sich aus seiner Sicht beispielsweise kleinbleibende Riesenschlangen wie z.B. der Königspython oder Kletternattern. Zu den geeigneten Amphibien zählt er viele Schwanz- und Froschlurche. Ein gut ausgestattetes Feuchtterrarium sei für die tiergerechte Haltung unbedingt notwendig. Für Anfänger empfiehlt er verschiedene Laubfrösche, wie beispielsweise den Korallenfinger oder den Höhlenlaubfrosch, die chinesische Rotbauchunke oder auch die große Vielfalt der Pfeilgiftfrösche.

Unter den Echsen nennt er die kleinen Leguanarten und viele Arten der Anolis, Agamen, Geckos und Skinke. Viele nachgezüchtete Chamäleons - wie beispielsweise das Jemen-Chamäleon - werden bei sachkundiger Haltung sogar zutraulich.


Werden Exoten tierschutzgerecht gehalten ?

Es gibt einzelne unverantwortliche Haltungen, zum Beispiel von exotischen Heimtieren, über die reißerisch in Medien berichtet wird. Aber es ist nicht schlüssig, dass einige Verfechter der Heimtier-Erlaubnisliste insbesondere Exoten wie Schlangen oder Chamäleons als anspruchsvoll ansehen und verbieten wollen. Generell haben alle Tiere artspezifische Ansprüche, die Tierhalter mit mehr oder weniger Aufwand erfüllen müssen.                                                                                                                                                                                         Ja, 90 Prozent der Terrarienbesitzer sind gut informiert

Laut einer repräsentativen Skopos-Studie haben sich fast 90 Prozent der Terrarienbesitzer in Deutschland vor      dem Kauf sehr genau über die Bedürfnisse ihres Tieres informiert, etwa die Hälfte davon bei fachkundigen Beratern im Zoofachhandel mit Terraristikabteilung. In der vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebenen Exopet-Studie (2015) konnte ebenfalls nicht festgestellt werden, dass die Halter von Terrarientieren weniger Kenntnisse im Umgang mit ihren Haustieren haben als die Halter anderer Tierarten.

Dr. Markus Baur, 1. Vorsitzender und Leiter der Reptilienauffangstation München und Fachtierarzt für Reptilien, stellt ebenfalls nicht fest, dass Tierfreunde Terrarientiere spontan und unüberlegt anschaffen oder aufgrund von Überforderung abgeben. "Größtenteils haben die Leute Ahnung. Außerdem beraten wir sie, wie sie die Haltung umsetzen können."
In einer Podiumsdiskussion zum Thema "Sachkunde in der Heimtierhaltung" betonte Dr. Cornelia Rossi-Broy, Vorstandsmitglied im Bundesverband der beamteten Tierärzte, dass die Halter von sogenannten Exoten, insbesondere der Terrarientiere, oft versierte Hobbyisten seien: "Ich staune, wie gut im Durchschnitt die Terraristen fachkundig sind".


Gutachten zur Positivliste

Prof. Dr. Dr. Tade M. Spranger von der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn hat im Auftrag des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e.V. (ZZF) eine "Gutachterliche Stellungnahme zur rechtlichen Zulässigkeit der Einführung einer nationalen Positivliste für Heimtiere unter besonderer Würdigung verfassungsrechtlicher und europarechtlicher Aspekte" erstellt.

Das Gutachten legt dar, dass zwar strengere Maßnahmen zum Schutz von Tieren grundsätzlich zulässig seien, aber eine nationale Positivliste einen Verstoß gegen geltendes Völkerrecht bedeute. Ihre Einführung stelle außerdem im EU-Recht unter anderem einen Verstoß gegen die Warenverkehrsfreiheit dar. Ein Positivliste verletze zudem Grundrechte wie die Berufsfreiheit sowie das allgemeine Persönlichkeitsrecht. Derartige Eingriffe seien nicht mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu vereinbaren.

10 Argumente gegen eine Positivliste

Der Vorschlag, eine Positivliste einzuführen, ist durch das Ziel motiviert, Tierleid zu vermeiden. Wir teilen das Anliegen, sind aber anderer Meinung, wenn es um die Lösung geht. Aus unserer Sicht sind Positivlisten dazu nicht geeignet, und zwar aus folgenden Gründen:

1. Schränkt Vielfalt ein

Mit Einführung einer Positivliste würde die Vielfalt der im legalen Handel und im legalen persönlichen Besitz befindlichen Heimtierarten eingeschränkt, aber nicht die mengenmäßige Zucht und Einfuhr einer Art. Das könnte negative Konsequenzen für den Tier- und Gesundheitsschutz haben

2. Falsche Haltungsbedingungen                                                                                                                                           Es besteht das Risiko, dass eine Positivliste keine für bestimmte Lebens‐ und Wohnsituationen geeignete Tierarten beinhaltet und davon betroffene Heimtierhalter deshalb mit tierschutzrelevanten Konsequenzen auf für sie zwar ungeeignetere, aber erlaubte Tierarten ausweichen.

3. Mehr illegaler Handel

Eine Positivliste könnte zu unerwünschten Folgen durch den Erwerb aus unkontrollierten Quellen (vgl. illegaler Welpenhandel) und in der Folge zu Tierschutzproblemen bei der Haltung von Heimtieren führen. Tiere, die am Zoofachhandel vorbei und über unprofessionelle Kurierdienste erworben wurden, würden möglicherweise nicht dem Tierarzt vorgestellt.

4. Willkürliche Diskriminierung                                                                                                                                     Welche Arten gelten als "nicht so anspruchsvoll"? Die komplexe Frage, welche Tiere für ein Zusammenleben mit dem Menschen geeignet sind, lässt sich mit dem Instrument der Positivliste nicht beantworten. Ob Tiere für das Zusammenleben mit Menschen in normalen Privathaushalten geeignet sind, hängt davon ab, ob sie ihrer Biologie und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden können. Doch wie wären gute Haltungsbedingungen zu definieren? Es besteht die Gefahr einer willkürlichen Diskriminierung.

5. Keine objektiven Kriterien

Objektive Kriterien sind offenbar schwer aufzustellen: Die diversen Entwürfe für Positivlisten in den Niederlanden zeigen, dass unausgewogen bestimmte Tiere bevorzugt werden, die allerdings in der Heimtierhaltung nicht besonders relevant sind.

6. Artenschutz wird erschwert                                                                                                                                            Eine Positivliste führt zum Verlust von Wissen im Bereich Artenschutz und Erhaltungszucht. Um die Haltungsansprüche von Tieren zu verstehen und über eine Eignung für die Privathaltung zu entscheiden, müssen erst Erfahrungen in der Haltung und Zucht gesammelt werden. Damit würde es unmöglich gemacht, Tierarten in die Positivliste zu übernehmen.

7. Erhaltungszucht wird beeinträchtigt

Die verantwortungsbewusste private Tierhaltung und Nachzucht gerade auch von in ihren Biotopen durch Eingriffe des Menschen bedrohten Arten trägt zum Artenschutz bei. Viele Halter und Züchter der eher selten gehaltenen Tierarten sind wichtige Partner für Zoos und wissenschaftliche Institutionen. Insbesondere könnten koordinierte Arterhaltungsprojekte auf wissenschaftlicher Basis zwischen Privathaltern und/oder wissenschaftlichen Einrichtungen gefährdet werden.

8. Wissen zur Versorgung der Heimtiere ginge verloren

Die Heimtierindustrie hat Fortschritte bei der Entwicklung von Tiernahrung, Gehegen, Aquariumausstattung, Spezialbeleuchtung für Reptilien usw. ermöglicht, weil sie mit Absatzmöglichkeiten in einem heterogenen Heimtiermarkt rechnen konnte. Die in der Zucht und Haltung von Heimtieren gesammelte Erfahrung hinsichtlich der Bedürfnisse der Tiere hat wiederum dazu beigetragen, tiergerechte Produkte zu entwickeln.

9. Grundrechte werden unverhältnismäßig eingeschränkt

Heimtiere unterschiedlichster Art halten zu dürfen ist unter anderem Ausdruck des in Art. 2 Abs. 1 Grundgesetz geschützten Persönlichkeitsrechts. Eine Positivliste, die die Haltung von Heimtieren dem Grunde nach verbietet, würde dieses Recht unverhältnismäßig stark einschränken. Je nachdem welche Person in welchem Zusammenhang ein Heimtier hält, sind auch der Allgemeine Gleichheitssatz, die Berufsfreiheit, die Wissenschaftsfreiheit und die Eigentumsgarantie betroffen. Auch mit der in Art. 34 AEUV europarechtlich geschützten Warenverkehrsfreiheit lässt sich eine Positivliste nicht vereinbaren. Detaillierte Ausführungen dazu im Rechtsgutachten von Prof. Dr. Dr. Tade M. Spranger.

10. Gesellschaftlicher Wert der Heimtierhaltung gerät in Gefahr

Heimtiere sind ein wichtiger Teil unseres sozialen und kulturellen Lebens. Nicht ohne Grund leben in fast jedem zweiten Haushalt in Deutschland Menschen mit Heimtieren zusammen. Es ist seit Jahrhunderten erforscht und seit langem erwiesen, dass sich Heimtiere positiv auf die psychische und körperliche Gesundheit der Halter auswirken. Besonders Kinder und Jugendliche scheinen in ihrer kognitiven und sozialen Entwicklung vom Leben mit einem Heimtier zu profitieren. Die vielen guten Wirkungen der Heimtierhaltung stellen einen wichtigen Nutzen für den einzelnen Tierhalter, für unser Gesundheitssystem und für die Gesellschaft insgesamt dar. Durch das grundsätzliche Verbot der Heimtierhaltung mittels einer Positivliste wird der Eindruck vermittelt, dass Heimtierhaltung im Prinzip etwas Schlechtes sei. Dabei stimmt das Gegenteil.

Wie stehen wir zur Positivliste?

Bei der Auswahl von Heimtieren das Tierwohl beachten / "Liste für den Schutz von Heimtieren"

Der ZZF unterstützt das Ziel, Regelungen für mehr Tierwohl in der Heimtierhaltung aufzustellen, lehnt die sogenannte Positivliste jedoch aus mehreren Gründen als ungeeignetes Instrument zur Stärkung des Tier- und Artenschutzes ab:

"Die Menschen in Deutschland leben gerne mit vielen unterschiedlichen Heimtieren zusammen. Dabei haben die Bedürfnisse und die Biologie eines Tieres für uns immer Vorrang vor dem Bedürfnis der Menschen, ein bestimmtes Tier zu halten. Nicht alle Tiere eignen sich für die Haltung in privaten Haushalten. Der ZZF hat deshalb in seinen "Heidelberger Beschlüssen" auf einer Liste Tiere aufgeführt, die er für die Heimtierhaltung nicht empfiehlt. Dazu zählen beispielsweise Tiere, für die es keine geeignete Nahrung oder Ausstattung eines Geheges gibt oder auch bestimmte Gifttiere. Deshalb jedoch Heimtiere grundsätzlich zu verbieten und eine Positivliste einzuführen, halten wir für eine unverhältnismäßige Maßnahme, die nicht mehr Tierschutz in der Heimtierhaltung bringen würde. Wir fordern von der Bundesregierung, die Sachkunde der Tierhalter mit Hilfe von Mindestanforderungen zu fördern und einen bundeseinheitlichen Sachkundenachweis für die Haltung von bestimmten gefährlichen Tieren einzuführen."

Positivliste bedeutet Verlust von Wissen

"Man liebt nur, was man kennt, und man schützt nur, was man liebt." (Konrad Lorenz, Nobelpreisträger und Vorkämpfer für den Natur-, Tier- und Artenschutz)

"Die Einführung einer Positivliste würde Millionen Menschen in Deutschland in ihrem Recht auf freie Persönlichkeitsentfaltung beschneiden und zugleich auch den Verlust von durch die Tierhaltungen entstandenem, wertvollem Wissen bedeuten. Zudem würden andere, sinnvolle und leicht umsetzbare Projekte für den Tierschutz auf lange Zeit blockiert, Menschen mit ihren Tieren in die Illegalität gedrängt und dadurch das Tierwohl akut gefährdet.

Nach Auffassung der Bundestierärztekammer liegt die Lösung des Problems im Erwerb von Sachkunde, denn nicht nur die wissenschaftliche Studienlage, sondern auch die allgemeine tierärztliche Erfahrung zeigt, dass es bei Tieren aller Arten sowohl hervorragende, tierschutzkonforme Haltungen gibt als auch gravierende Tierschutzprobleme – auch und insbesondere bei den domestizierten und den angeblich leichter zu haltenden, nicht domestizierten Arten."

Wissen schützt Tiere!

Was sich wie eine Binsenwahrheit anhört muss mit Leben gefüllt werden. Das geht aber nicht mit Positivlisten. Die Sachkunde eines jeden einzelnen Halters schützt das Tier, egal ob es sich um ein gängiges Heimtier oder um sog. Exoten handelt. Die Praxis der amtstierärztlichen Kontrollen zeigt, dass gerade die vermeintlich einfach zu haltenden Tiere, wie Hunde, Katzen, Kaninchen und Wellensittiche, diejenigen Arten sind, die zahlenmäßig am häufigsten unter tierschutzwidrigen Bedingungen leiden. Sie wären jedoch schon auf Grund ihrer Popularität auf einer Positivliste zu finden. Dem gegenüber steht die überwiegende Mehrzahl der Züchter:innen und Halter:innen sogenannter Exoten, das heißt, vor allem nicht-handelsübliche Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere. Diese Personen sind sich in der Regel ihrer Verantwortung bewusst und sie besitzen die notwendige Sachkunde, sie beteiligen sich an Erhaltungszuchtprogrammen und sind in einem regen Austausch mit Fachkolleg:innen. Für diese Arten und die Zuchtprogramme wären Positivlisten das Ende. Für die in deutschen Haushalten überwiegend gehaltenen Tiere gäbe es keine Verbesserung ihrer rechtlichen Situation.

Private Halter haben viel Sachkunde in der Haltung von Tieren wildlebender Arten

Der Bundesverband für fachgerechten Natur-, Tier- und Artenschutz e.V. (BNA) lehnt eine Positivliste entschieden ab, da sie weder geeignet ist, den Tierschutz zu verbessern, noch den Artenschutz. Viele organisierte private Tierhalter:innen tragen oftmals, auch in Kooperation mit zoologischen und wissenschaftlichen Einrichtungen, mit ihrer enormen Erfahrung und Sachkunde in der Haltung von Tieren wildlebender Arten zur Arterhaltung bei. Viele dieser Arten stünden jedoch vermutlich nicht auf einer Positivliste – mit negativen Folgen für die ex-situ-Arterhaltung. Um den Tierschutz wirklich zu verbessern, setzt sich der BNA für niederschwellige Sachkundeinformationen und eine regelmäßige Aktualisierung der Mindestanforderungen sowie die Schließung von strukturellen Lücken ein. Verbesserungen im Artenschutz lassen sich aus unserer Sicht mit einer Überarbeitung der Bundesartenschutzverordnung und einem bundesweit einheitlichen Melde- und Vollzugssystem erreichen.

Positivliste ist falscher Weg zur Verbesserung des Tierwohls

"Der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) sieht die Einführung einer Positivliste zur Heimtierhaltung kritisch. Als Interessengemeinschaft von Hundehaltern, -züchtern und -sportlern befasst sich der VDH nahezu ausschließlich mit der Tierart Hund, die als älteste domestizierte Tierart der Welt in ihrem Verhaltens- und Erscheinungsbild eng an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst ist. Selbst wenn der Hund nicht unmittelbar von der Einführung einer Positivliste für die Heimtierhaltung betroffen wäre, wird der Vorschlag zur Einführung einer solchen Liste als falscher Weg zur Verbesserung des Tierwohls in Deutschland angesehen.

Schon jetzt finden aus Sicht des VDH die meisten Tierwohlgefährdungen bei Heimtieren außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung statt; z. B. bedingt durch illegalen Tierhandel oder profitorientierte Tiervermehrer. Die Einführung einer Positivliste birgt das Risiko, dass Heimtierhaltung noch stärker im Verborgenen und ohne jede Möglichkeit einer sinnvollen Kontrolle und Steuerung stattfindet. Eine effizientere Maßnahme wäre die schon lange vom VDH geforderte konsequente Regulierung und Kontrolle des Onlinehandels mit Heimtieren. Speziell auf den Hund bezogen muss endlich eine verpflichtende Kennzeichnung und Registrierung für alle in Deutschland gehaltenen Hunde als Grundlage für die effektive Umsetzung der existierenden Rechtsvorschriften zum Tierschutz eingeführt werden."

Der Verband der Zoologischen Gärten steht für Qualität und Sachkunde

Der VdZ lehnt pauschalisierte Tierhaltungsverbote und Erlaubnispflichten für Tierhalter ab, die nicht gewerbsmäßig Tiere handeln, halten, züchten und betreuen. "Positivlisten" oder eine Genehmigungspflicht für Privathalter nehmen sachkundigen Bürgerinnen und Bürgern das Recht, Tiere verhaltensgerecht zu halten, und sie verhindern wertschöpfende Tierhaltung, darunter die Haltung zum Zwecke des Erhalts bedrohter Arten und das Kennenlernen und Wertschätzen von Tieren in urbanen Gesellschaften. Weiterhin sind solche Einschränkungen nicht verhältnismäßig und befördern illegale Tierhaltung und -beschaffung. Zur Erstellung einer Positivliste müsste für jede Tierart ein überprüfbares, wissenschaftliches Verfahren erarbeitet werden hinsichtlich der Kriterien Tier-, Natur- und Artenschutz, invasives Potenzial und Zoonose- bzw. Gesundheitsschutz. Das ist utopisch. Denn tierschutzwidrige Tierhaltung wird nicht durch die Artzugehörigkeit der Tiere verursacht, sondern primär durch fehlende Sachkunde der Tierhaltenden. Eine Stärkung des Vollzugs bestehender Gesetze, breite Ausweitung der Sachkunde der Tierhalter und die Förderung von Initiativen wie Citizen Conservation können Arten retten, die auf Positivlisten nie erscheinen werden.

Qualifikation und Erfahrung stellt eine bedarfsgerechte Tierhaltung sicher

Die Stiftung Artenschutz sieht in der privaten Tierhaltung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Kompetente PrivathalterInnen tragen seit Jahrzehnten durch ihre Expertise zum Erkenntnisgewinn über die Haltung und Zucht von bedrohten Arten bei. Dieses Wissen ist eine wesentliche Grundlage für die Ex-situ-Erhaltungszucht von bedrohten Arten und würde durch die Positivlisten für die Artenschutzarbeit in großen Teilen verloren gehen. Die Nachzucht bedrohter Arten in privater Haltung sichert in vielen Fällen die Tierbestände und kann auch die Nachfrage nach Tierimporten aus dem Ursprungsland verringern helfen. Die erforderliche Sachkunde sollte stetig ausgebaut werden. Nicht die Einführung von Positivlisten, sondern die Qualifikation und Erfahrung der Personen stellt eine bedarfsgerechte Tierhaltung in Privathand sicher. Illegaler Haltung und Handel von Tieren muss durch geeignete Maßnahmen vor allem im Vollzug der Gesetze begegnet werden.

Ex-situ-Artenschutz ist nicht mit einem Heimtierverbot vereinbar

"Für die Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP) ist der fortschreitende Biodiversitätsverlust nur mittels des ganzheitlichen One-Plan-Approach zu begegnen. Dies bedingt gezielte Ex-situ-Maßnahmen, welche für viele Tiergruppen nicht ohne die Expertisen aus der Privathaltung umgesetzt werden könnten. Dieses Expertenwissen wird für eine erfolgreiche Artenschutzarbeit mittels Erhaltungszuchten dringend benötigt und würde im Falle von Positivlisten unweigerlich verloren gehen. Wir begrüßen ausdrücklich den Ausbau und die kontinuierlichen Anpassungen durch unsere Partnerverbände, die Sachkunde von Tierhaltern weiter voranzutreiben und zu fördern. Wir sehen jedoch die mit Positivlisten einhergehenden Einschränkungen mit Blick auf die Biodiversitätskrise als nicht zielführend an."

Artenvielfalt muss gelebt werden

"Immer weiter entfernt sich unsere Gesellschaft von der Natur. Was sich hinter Nachhaltigkeit und Artenschutz verbirgt, ist kaum jemandem wirklich bekannt. Ökologische Wechselbeziehungen kann man nur verstehen, wenn wir mit unseren Mitgeschöpfen zusammenleben, ihre Bedürfnisse erkennen, akzeptieren und dadurch animiert werden, uns immer weiter zu bilden, um auf neue Fragen neue Antworten zu finden. Artenvielfalt muss gelebt werden, in Menschenhand führt sie zu einem steten Wissensaustausch den Menschen, die sich für so diverse Tierarten begeistern können und andere an ihrem Wissen teilhaben lassen. Positiv-Listen werden noch mehr zur Verarmung unserer Merkwelt führen und unseren Wissenshorizont weiter schmälern.

Der Deutschen Wildgehege-Verband e.V. mit seiner einzigartigen Umweltbildungsoffensive lebt diese Begeisterung und fördert das Wissen um Ökologie und Biodiversität. Eine Positivliste wird all diese Bemühungen erheblich beeinträchtigen und wird somit von uns uneingeschränkt abgelehnt. Wer diese Listung fordert, weiß nichts von unseren Bestrebungen und unseren Erfolgen, die alle dem naturnahen Tierwohl entgegen kommen."

Positivliste wäre nicht wissenschaftlich begründbar

"Als Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT) sind wir der Auffassung, dass Positivlisten für Heimtiere kein geeignetes Instrument zur Verbesserung des Tier- und/oder Artenschutzes darstellen. Eine Auswahl der Arten für eine solche Liste wäre weder wissenschaftlich begründbar noch in irgendeiner Weise dem Tierwohl dienlich, für das sich unser Fachverband vehement einsetzt. Die von unseren Arbeitsgemeinschaften seit Jahrzehnten geführten Nachzucht-Statistiken mit zehntausenden Individuen inklusive anspruchsvoller Arten (z.B. Nahrungsspezialisten) zeigt, dass die erfolgreiche und tiergerechte Haltung einer Art maßgeblich vom Wissen und der Erfahrung der Halter abhängt. Die DGHT setzt daher ganz bewusst auf das Thema Sachkunde; hierfür bieten wir mit unserem Partnerverband VDA bundesweit qualitätszertifizierte Schulungen und Prüfungen an. Es gibt kein rationales Argument gegen die Haltung einer Tierart in Privathand, für die der entsprechende Sachverstand und die geeignete Einrichtung vorhanden ist. Positivlisten, die ein pauschales Verbot vieler Tierarten zur Folge hätten, würden insbesondere auch den durch kompetente Privathalter beförderten Erkenntnisgewinn zur Biologie unzähliger Arten stoppen und damit die Grundlage für ex-situ-Arterhaltungszuchten massiv behindern."

Für die Vermittlung von Sachkunde

"Als Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA) stehen wir geschlossen gegen Positivlisten. Der Grund ist simpel, die Positivliste ist ein ordnungspolitisch völlig ungeeignetes Instrument, um Fortschritte beim Tierschutz und Tierwohl im Heimtierbereich zu erzielen. Wir sind als Verband bemüht, Besitzer:innen von Aquarien, Terrarien und Gartenteichen die bestmögliche Hilfestellung, insbesondere beim Einstieg in dieses Hobby, zu geben. Die Vermittlung von Sachkunde ist deshalb eines unserer Kernarbeitsgebiete. Durch praxisorientiertes Wissen können viele Fehler in der Haltung vermieden werden. Eine Positivliste fördert jedoch nicht im Geringsten den Tierschutz und das Tierwohl (wie auch?). Sie erschwert allerdings den extrem erfahrenen Expert:innen unter den privaten Halter:innen die so dringend erforderlichen Erhaltungszuchtprojekte bedrohter Arten."

Verbotslisten bringen keinerlei Mehrwert beim Tierwohl

"Die Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht (AZ) e.V. steht seit vielen Jahren den immer wiederkehrenden Versuchen zur Etablierung einer sogenannten Positivliste stets sehr kritisch gegenüber. Solche (Verbots-)Listen bringen keinerlei Mehrwert beim Tierwohl, hier wäre eine vernünftige Regelung zur Sachkunde sehr viel sinnvoller, und sind kontraproduktiv im Sinne des Artenschutzes und der Arterhaltung durch Zucht. Zudem wird eine Besetzung der Positivlisten mit den entsprechenden Arten letztlich doch sehr von Willkür geprägt sein.

Die bereits seit Jahrhunderten praktizierte Vogelhaltung und Vogelzucht beruht auf dem Grundsatz: "Man schützt nur, was man liebt – man liebt nur, was man kennt" (Konrad Lorenz) und der im Laufe der Evolution des Menschen entwickelten biologischen Fähigkeit zur Biophilie. In den vergangenen 100 Jahren fanden Gleichgesinnte ihren zentralen Zusammenhalt in verschiedenen Verbänden, um dort ihre Erfahrungen auszutauschen. Der überwiegende Teil des heutigen Wissens über Haltung, Ernährung und Zucht begründet sich auf den Erfahrungen aller Vogelliebhaber über die gesamte Zeitspanne. Daraus resultierend entstanden auf der einen Seite domestizierte Rassen mit dem Charakter menschlichen Kulturgutes und auf der anderen Seite wird die Erhaltung auch bedrohter Arten in menschlicher Obhut uneigennützig betrieben.
Unsere Vereinigung und deren Mitglieder bilden aus dieser Tradition heraus die fachkundige Expertise schlecht hin und dokumentiert dies u.a. durch über 1.300 nachgezüchtete Arten in den letzten 20 Jahren. Darunter etliche Arten, die in ihrem natürlichen Lebensraum sehr stark bedroht sind."

Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Vielfalt in der Wildtierhaltung

Der Verlust der Artenvielfalt bedroht zunehmend auch unsere menschliche Existenz. Es geht längst nicht mehr um Krisenprävention, sondern darum, den Zusammenbruch ökologischer Systeme abzumildern, über die wir zum Großteil noch viel zu wenig wissen. Der Überführung von immer mehr Arten in menschliche Obhut wird hierbei eine immer stärkere Rolle zukommen, um Wissen zu generieren, aber auch ganz schlicht, um durch den Erhalt der Arten Optionen für die Zukunft offen zu halten. Die hierfür benötigten Kapazitäten sind heute schon nicht vorhanden, der Bedarf aber steigt exponentiell. Wir brauchen nicht weniger sachkundige Tierhalter*innen, wir brauchen mehr. Tierhalter, Zoos und wissenschaftliche Vereinigungen haben ihre Verantwortung erkannt und begonnen, die notwendigen Strukturen zu schaffen, für mehr Transparenz, Sachkunde und Koordination in der Wildtierhaltung. Die Einführung von Positivlisten würde unsere Chancen, die gesamtgesellschaftliche Herausforderung Artensterben zu meistern, drastisch reduzieren.

Tierwohl durch verantwortungsvolle Heimtierhaltung

Der Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e.V. lehnt die Einführung einer Positivliste für alle Heimtiere ab.

Im Mittelpunkt unserer Bemühungen steht stets das Wohlbefinden und die Gesundheit des Heimtieres. Wir sind der Überzeugung, dass generelle Verbote und eine gesetzlich verankerte Zulassung von Tieren zur privaten Haltung keine geeigneten Instrumente sind, um nachhaltig zur Förderung des Tierwohls beizutragen.

Vielmehr sollte das Ziel verfolgt werden, die konfliktfreie Integration des Heimtiers in die Lebenswelt der Tierhalter:innen und deren Umfeld durch die Förderung einer tiergerechten und verantwortungsbewussten Heimtierhaltung in den Vordergrund zu stellen. Dies muss ethische und soziale Aspekte ebenso wie die des Tierschutzes und einer tiergerechten Haltung und Ernährung umfassen. Die Produkte unserer Mitgliedsunternehmen bieten dazu alle Voraussetzungen.

Eine zentrale Rolle sollten hierbei auch fachlich fundierte Informationen einnehmen, die Tierhalter:innen in die Lage versetzen, die notwendigen Kenntnisse über die Anforderungen und Bedürfnisse ihrer Tiere zu erwerben und zu nutzen.

Der IVH und seine Mitgliedsunternehmen unterstützen Tierhalter:innen durch ein Vielzahl von fachlich fundierten und praxisrelevanten Informationen. Zusammen mit dem Handel, der Tierärzteschaft, einer Vielzahl von Fachverbänden und im ständigen Austausch mit der Wissenschaft tragen wir dazu bei, dass sich Tierhalter:innen heute einfach, verständlich und auf wissenschaftlich belegter Basis über alle relevanten Aspekte einer tiergerechten Haltung aller Heimtiere informieren können.

Unsere Vorschläge für eine tierschutzgerechte Heimtierhaltung

Der Vorschlag, eine Positivliste einzuführen, ist durch das Ziel motiviert, Tierleid zu vermeiden. Wir teilen das Anliegen, sind aber anderer Meinung, wenn es um die Lösung geht. Was trägt zum Tierwohl bei? Aus unserer Sicht sind Positivlisten nicht geeignet, wir schlagen deshalb folgende Maßnahmen vor:

1. Bundeseinheitliche Regeln für Haltung von gefährlichen Tieren

Die Haltung aller Heimtiere muss grundsätzlich erlaubt sein. Wo es notwendig ist, sollte die Heimtierhaltung bundeseinheitlich reguliert werden, beispielsweise bei der Haltung gefährlicher Tiere (siehe Gefahrtierverordnungen der Bundesländer).

2. Mindestanforderungen weiterentwickeln

Die Mindestanforderungen des BMEL für die Haltung von Tieren sollten dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse angepasst sowie mit Hilfe eines Expertengremiums stetig weiterentwickelt und auf dem Portal des BMEL haustier-berater.de veröffentlicht werden.

3. Sachkunde bei Heimtierhaltern fördern

Wissen schützt Tiere! Tierhalter müssen die Bedürfnisse ihrer Heimtiere kennen, um diese tierschutzgerecht halten zu können. Neben der Beratung beim Züchter, Zoofachhändler oder Tierheim sollten Online-Portale, wie www.my-fish.org, www.wirfuerstier.de oder www.leben-mit-heimtier.de sowie die Angebote von Tierhalter-, Tierschutz- oder Tierärzteorganisationen für die eigene Weiterbildung zur tierschutzgerechten Heimtierhaltung weiter ausgebaut werden. Das hilfreiche Informationsportal des BMEL auf www.haustier-berater.de könnte ein zentraler Anlaufpunkt sein und von einem interdisziplinären Gremium weiterentwickelt werden (Tierärzteschaft, Tierhalterverbände, Zuchtverbände, Zoofachhandel, Artenschutzverbände, Exoten-Auffangstationen, Tierschutzverbände).

4. Frühkindliche Bildung über Heimtiere betreiben

Empathie und Bildung fördern! In zwei von drei Haushalten mit Kindern lebt mindestens ein Heimtier. Es ist daher besonders wichtig, dass bereits bei der frühen Bildung in Kindertagesstätten, Kindergärten, Grundschulen als auch weiterführenden Schulen Grundwissen über Tierwohl und Heimtiere vermittelt wird.

5. Qualzuchten definieren und verbieten

Die Übertypisierung bestimmter Zuchtmerkmale bei Heimtieren (besondere Farb-, Form- oder Zeichnungsvarianten, Haar- oder Schuppenlosigkeit, bestimmte Körperformen wie Zwergwuchs, kurze Beine oder Kurzköpfigkeit) kann zu tierschutzrelevanten Problemen führen. Daneben können mit gewünschten Zuchtmerkmalen gekoppelte negative Erbfaktoren Tierleid hervorrufen.

Nicht immer ist eindeutig geklärt, welche Merkmale in welcher Ausprägung Tierleid hervorrufen. Es muss daher eine wissenschaftliche Überarbeitung bundesweit geltender rechtsverbindlicher Listen mit Zuchtformen und deren Merkmalen geben, die als Qualzuchtformen zu betrachten sind. Die Zucht dieser Qualzuchtformen muss verboten werden.

6. Handel auf Onlineportalen regulieren

Internetplattformen dürfen keine illegalen Angebote von geschützten Tieren ohne Herkunftsnachweis, als Qualzuchten geltende, sowie nach EU-Recht als invasiv eingestufte Arten anbieten. Die Anbieter von Heimtieren müssen sich verpflichtend gegenüber der Online-Plattform ausweisen. So können Plattformbetreiber bei Problemen hinsichtlich des Tierwohls, Arten- oder Seuchenschutzes direkt mit den Anbietern Kontakt aufnehmen. Es ist Anbietern dann nicht möglich, unter mehrfachen Identitäten Tiere zu verkaufen und damit der Einstufung als gewerbsmäßige Händler/Züchter zu entgehen.

7. Verstöße ahnden, Vollzug stärken

Tierschutzwidrige Haltungen sowie Verstöße gegen einen tierschutzgerechten Handel mit Tieren müssen konsequent geahndet werden. Hier sollte die Bundesregierung entsprechende Voraussetzungen schaffen und vor allem den Vollzug adäquat ausstatten.

8. Aufnahme in Notsituationen ermöglichen

Politik und Behörden sollten klare Rahmenbedingungen schaffen, damit Tierhalter in Notsituationen Tiere ungeachtet ihrer Kategorie – auch Nutztiere/Haustiere und sogenannte exotische Heimtiere wie Reptilien oder Kleinsäuger – in Auffangstationen abgeben können und die Tiere weitervermittelt werden. Auch der Zoofachhandel kommt unter gewissen Voraussetzungen als Partner bei der Vermittlung von Heimtieren aus Tierheimen in Frage.

9. Wissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen – interdisziplinären Austausch fördern

Bei Regulierungsvorhaben im Sinne des Tierschutzes sollte die Politik wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrung von Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen berücksichtigen.